Orientierungshilfe

Sicherungsmaßnahmen bei der Mikroverfilmung von Schriftgut 

Diese Orientierungshilfe wurde im Arbeitskreis "Technische und organisatorische Datenschutzfragen der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder 1984 beraten; sie wurde im Juni 1985 an den Stand der Technik angepaßt und fortgeschrieben.
 

INHALT

     Vorbemerkung

1.  Vorbereitung des Schriftgutes

2.  Verfilmung

3.  Entwickeln des Films und Filmkontrolle

4.  Prüfung des Verfilmungsergebnisses

5.  Vernichtung des verfilmten Schriftgutes

6.  Verwaltung des Filmguts

 

Vorbemerkung:

Mikroverfilmte Bestände lassen sich grundsätzlich besser vor unberechtigten Zugriff schützen als herkömmlich organisierte Archivbestände in Papierform. Die Anwendung von Datensicherungsmaßnahmen auf Mikrofilme und Mikrofiche ist wirksamer. Außerdem existieren eine Reihe technischer Datensicherungsmaßnahmen, die auf das Medium "Papier" in analoger Weise nicht übertragbar sind.

Folgende Sicherungsmaßnahmen sind nur bei Mikrofilm/-fiche-Archiven anwendbar:

- Der Mikrofilm/fiche-Bestand kann feuer- und zugriffssicher auf bewahrt werden.
- Eine falsche Einordnung gelesener Dokumente ist nicht möglich.
- Die Vollständigkeitskontrolle läßt sich wesentlich leichter durchführen.
- Bestimmte Filme (C-Filme) können nicht dupliziert werden.
- Leichtere Trennung der Zugriffsberechtigung für Lesen und Kopieren (interessant für Archive und Vorgänge, bei denen keine Kopien angefertigt werden dürfen) durch technische Geräte (Aufstellen von Lesegeräten, bei denen die Rückvergrößerung und das Erstellen von Kopien nicht möglich ist).
- Die Zugriffsberechtigung auf bestimmte Vorgänge läßt sich über "geblipte Filme" steuern, so daß ein Zugriff auf die Seiten nur mit einem bestimmten Kennwort möglich ist.

Beim Vorgang der Verfilmung treten im Prinzip dieselben Probleme wie bei der Papierverarbeitung auf.

Arbeitsschritte bei der Mikroverfilmung sind

- die Vorbereitung des Schriftgutes (ggf. der Transport zur verfilmenden Stelle),
- die eigentliche Verfilmung,
- Entwicklung des Films und die Filmkontrolle,
- die Prüfung des Verfilmungsergebnisses,
- die Vernichtung des verfilmten Schriftgutes,
die Verwaltung des Mikrofilm/fiche-Bestandes.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen

der Passivverfilmung (Altaktenbestände) und
der Aktivverfilmung (aktuelle Vorgänge).

Bildträger sind

der Rollfilm,
das Jacket und
der Mikrofiche.

Bei den nachfolgend aufgeführten Sicherungsmaßnahmen ist eine Anwendung stets unter dem Grundsatz der Angemessenheit zu prüfen.

1. Vorbereitung des Schriftgutes

Aufbereitung des Schriftgutes zur Verfilmung:

- Entfernung der Metallteile
- Entfernung der Metallteile (Heft-, Büroklammern u. ä.)
- Glätten, chronologisches Einordnen, Sortieren, Reduzieren (z. B. Entfernen von Duplikaten)
- Durchnumerieren der Vorgänge (bei besonders sensiblen Unterlagen)
- Abgabe zur Verfilmungsstelle
- Transport zum Verfilmer

Risiken:

- Unvollständigkeit des Schriftgutes
Zusätzlich bei der Verfilmung außer Haus:
· unzulässige Offenbarung
· Transportrisiken (Verlust, Diebstahl)

Sicherungsmaßnahmen:

- Stichprobenhafte Prüfung des Schriftgutes
- Zählung der aufbereiteten Vorgänge (Schriftstücke)
- Aufbereitung durch eigenes Personal
- sorgfältige Auswahl des Auftragnehmers nach Sicherheitsstandard (eventl. Ortsferne)
- Vertragsgestaltung (Verpflichtung zur Verschwiegenheit, Auflagen für Transport und Aufbewahrung)
- Transportsicherungen
- Transport durch eigenes Personal

2. Verfilmung:

- Beachtung der geltenden DlN-Normen
- Verwendung der Mikrofilm-Bildzeichen
- Einzelblattverfilmung:
· seitenweise
· blattweise Vorder- und Rückseite zugleich
· Duplikatrollfilmerstellung in einem Arbeitsgang

- Anlage der Verfilmungskartei mit folgenden Informationen:
· Aktenplannummer
· Sachgebiet
· Filmrollen-, Zählerstandsnummer
· Fallidentifizierung

Risiken:

- Unvollständige Schriftgutverfilmung
- unbefugte Offenbarung von Inhalten
- unberechtigte Nutzung des verfilmten Schriftgutes bis zur Vernichtung
Zusätzlich bei Verfilmung außer Haus:
· Transportrisiken
· unberechtigte Nutzung des verfilmten Schriftgutes beim Auftragnehmer

Sicherungsmaßnahmen:

- Kennzeichnen der zu verfilmenden Unterlagen durch automatisches Numerieren, Zählwerkkontrollen und Bearbeitungsstempel
- Einblendung von Bildmarkennummern (Blips) zur späteren Zugriffskontrolle
- Anmietung einer Verfilmungsanlage ("mobilen Kamera"), um eine Außerhausverfilmung zu vermeiden und ggf. Verfilmung durch eigenes Personal
- Verschluß des verfilmten Materials
- Kontrolle der verbrauchten Rollfilme
- Speicherkontrolle (Verfilmer, Datum)

Bei Außerhausverfilmung:
· Verfilmung unter Aufsicht eigenen Personals
· sorgfältige Auswahl des Auftragnehmers (an der Sache uninteressiert) nach Sicherheitsstandards
· Eigentransport
· Transport in verschlossenen Behältnissen
· Vollständigkeitskontrolle (soweit möglich)
· ergänzende Absicherungen durch vertragliche Regelungen

3. Entwickeln des Films und Filmkontrolle:

- Entwickeln der belichteten Rollfilme
- Duplizieren des Filmes

Risiken:

- Transportrisiken
- unberechtigte Anfertigung von Filmkopien

Sicherungsmaßnahmen:

- Eigenentwicklung
- Abzählen des Materials
- Vernichtung der Testfilme

Zusätzlich bei Entwicklung außer Haus:
· Transport per Kurier
· höherwertige Versandart auf dem Postweg
· Begleitpapiere (z. B. Anzahl der Filme, Längenangaben 35/65. m)
· sorgfältige Auswahl des Auftragnehmers
· ergänzende, vertragliche Absicherungen
· Verfilmung und Entwicklung in einem Arbeitsgang

4. Prüfung des Verfilmungsergebnisses:

- Lesbarkeit des Filmes
- Wiedergabefähigkeit (Rückvergrößerung)
- Verwendung der Bildzeichen
- Vollständigkeit der Blattnummern innerhalb eines Falles (stichprobenweise; bei Vorgabe numerierter Vorgänge)
- Anlegen der Verfilmungskartei mit folgenden Informationen:
· Blip-Nummer
· Hinweis auf Verbleib von Originalunterlagen
· Prüfvermerk

Risiken:

- unvollständige Verfilmung
- Verlust der Verfilmungskartei

Sicherungsmaßnahmen:

- Nachverfilmung fehlender Vorgänge/Blätter (Prüfung des Filmes)
- Zugangssicherung
- Zugriffssicherung
- Verfilmung der Verfilmungskartei in gewissen Zeitabständen (gleichzeitig oder später)

5. Vernichtung des verfilmten Schriftgutes:

Risiken:

Unvollständige und schlechte Entsorgung

Sicherungsmaßnahmen:

- Vernichtung im eigenen Reißwolf
- Aufbewahrung im abschließbaren Zwischenlager
- Transport und Vernichtung unter Aufsicht, auch bei Auftragsvergabe
- sorgfältige Auswahl eines Auftragnehmers nach Sicherheitsstandard

6. Verwaltung des Filmguts:

- Rollfilmverwaltung
- Jacketverwaltung
- Mikroficheverwaltung
- Erzeugung von Sicherungsbeständen
- Aufbewahrung der Sicherungsbestände
- Löschen und Sperren von verfilmten Einzelfällen

Risiken:

- Bestandsverlust
- unberechtigte Vervielfältigung von Rollfilmen, Filmjackets und Mikrofiches
- unberechtigter Zugriff auf Sicherungsbestände

Sicherungsmaßnahmen:

- Aufbewahrung unter Verschluß
- Aufbewahrung in Schuppenordnern (leichtere Vollzähligkeitsprüfung)
- Kontrolle der Ausgabe und Rückgabe des Filmguts
- Lesen unter Aufsicht
- nur Lesegeräte zur Verfügung stellen
- Duplizieren nur nach Auftrag
- Rückgabe von Fehlverfilmungen
- Kontrolle des Dupliziervorgangs (Zählwerk am Gerät)
- Protokoll über Dupliziervorgang (evt. 4-Augen-Prinzip)
- Arbeitsexemplar nicht duplizierbar durch Verwendung entsprechenden Filmmaterials
- Trennung von Sicherungskopien und Arbeitsexemplaren des Filmgutes
- Sicherungskopien räumlich oder örtlich getrennt zugriffssicher lagern
- Vernichtung der entsprechenden Verfilmungskarte karte beim Löschen eines Falles
- Hinweis auf Verwendungssperre in der Verfilmungskarteikarte anbringen
- Zählen der Rückvergrößerungskopien durch Abgleich mit Aufträgen